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Oberbürgermeister lobt kulturübergreifendes Gemeindeleben

26. Mai 2009 | Von redaktion | Kategorien: Frontseite, Leitartikel, Nachrichten

Oberbürgermeister Weil besuchte im Rahmen seines Plans, alle Moscheen in Hannover zu besuchen, als sechste Gemeinde die Al-Sunna-Moschee. Bei dieser Gelegenheit lobte er den kulturübergreifenden Anspruch vor Ort.

Vor der Gebetsnische in der Sunna-Moschee - © Khalil Klein

Vor der Gebetsnische in der Sunna-Moschee - © Khalil Klein

Vor zwei Jahren entschloss sich der Oberbürgermeister von Hannover dazu, uns Muslime und unsere Gebetsstätten kennen zu lernen. Was mit Neugier begann, Menschen kennen zu lernen, die ihren Glauben praktizieren, enthält auch ein handfestes Anliegen der Stadt Hannover. Es gibt zahlreiche integrationspolitische Wünsche, die Herr Weil bei seinen Besuchen vermitteln möchte.

Von den 500.000 Hannoveranern kommen 125.000 aus über 140 verschiedenen Ländern. Beim Nachwuchs wird es noch deutlicher. 40% der Kinder besitzen ein Elternteil mit Migrationshintergrund. Das Fazit des Oberbürgermeisters lautet dazu, „wenn das Zusammenleben nicht klappt, haben alle ein Problem.“ Dabei konzentriert sich sein Interesse auf die Sprachfähigkeit. Im Gespräch mit einem Lehrer der Moschee und dem Frauenkreis harkte er bei diesem Thema nach, erkundigte sich nach den Deutschkenntnissen der Kinder und dem Ablauf des Sprach- und Islamunterrichts. Er wirbt dafür, Kinder möglichst früh an die deutsche Sprache zu gewöhnen und sie in Kindergärten zu schicken, damit sie gut ins Schulleben starten. Die Stadt bemüht sich aktuell darum, die Möglichkeiten dafür auszubauen und mehr Kindergarten- und Kindertagesstättenplätze einzurichten.

Ein zweiter Wunsch des Stadtoberhauptes steht im engen Zusammenhang mit dem Engagement der Muslime. Er bewundert, wie viel bisher in den Moscheen mit sehr wenig Mitteln aufgebaut wurde und dass viel Handarbeit darin steckt. Er wünscht sich allerdings, dass dieses Engagement auch in die restliche Gesellschaft, in Sport- und Freizeitvereine und in die Schule getragen wird. Er begrüßt es, wenn durch das Engagement auch repräsentative Moscheen entstehen. Die Stadt stehe keinem solchen Vorhaben im Weg, wie er am Beispiel der Ahmadiyya-Moschee aufzeigt, deren Errichtung im Vorfeld auch stark kritisiert wurde. Allerdings gab es in den letzten Jahren keine weiteren Initiativen dazu in Hannover, was Herr Weil auf die finanziellen Mittel zurückführt.

Angeregte Diskussionen beim Besuch des Oberbürgermeisters in der Sunna-Moschee - © Khalil Klein

Angeregte Diskussionen beim Besuch des Oberbürgermeisters in der Sunna-Moschee - © Khalil Klein

Einzigen Unmut während des Besuches des Oberbürgermeisters verursachte die Diskussion über verdachtsunabhängige Personenkontrollen der Polizei in der Nähe von Moscheen. Es ist bekannt, dass diese Überprüfungen stattfinden und es wurden auch schon Beschwerden eingereicht. Die Stadt vermittelt aber gerne in diesem Bereich, auch wenn die Vorkommnisse außerhalb ihres Einflussbereichs liegen.

Neben zahlreichen aktuellen und ernsten Themen, zeigte sich Herr Weil besonders bei den Frauen von seiner humorvollen Seite. Er berichtete von einem früheren Moscheebesuch, bei dem er den Frauenbereich nur hatte betreten dürfen, weil er kurzzeitig zur Frau erklärt worden war. Mit einem Schmunzeln erklärten die Frauen auf die Frage hin, warum die Geschlechter hier getrennt sind, dass sie von ihren Männern manchmal genug haben und einfach nur unter sich sein wollen. Das Gespräch wendete sich sehr schnell, dass dies in Deutschland vor einigen Jahrzehnten auch noch der Fall war. Gewisse Parallelen zu Aufrufen von Feministinnen, die von den Männern genervt waren, drängen sich hier ebenfalls auf.

© Khalil Klein

© Khalil Klein

Zum Abschluss zeigte sich der Oberbürgermeister sehr erfreut über die Vielseitigkeit der muslimischen Gemeinden. Im Vergleich zu den christlichen Gemeinden, in denen sich das Gemeindeleben ähnelt, bringe jeder Moscheebesuch neue Erkenntnisse mit sich. Nach keinem Besuch sei er nicht klüger gewesen und betonte gleichzeitig die Nähe zueinander. „Am Ende stehen wir alle einmal vor dem lieben Gott,“ kommentierte er zum Abschied.

Khalil Klein

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