SPD-Ratsfraktion: Islamforum für besseres Zusammenleben
26. Juni 2008 | Von admin | Kategorien: Frontseite, Nachrichten
Die SPD-Ratsfraktion der Stadt Hannover hat die Gründung eines kommunalen Islamforums vorgeschlagen. Der Ratsherr der SPD Alptekin Kirci will damit u.A. verhindern, dass zwei Kulturen nebeneinander- statt miteinander leben. Die HAZ berichtet:
Häufig lehnten „Nicht-Muslime“ den Bau von Moscheen und Gebetsräumen in ihrer Nähe ab, Organisationen wie Sportvereinen, Elterninitiativen oder freiwilliger Feuerwehr gehörten Moslems nur selten an. Auch gebe es nur wenig Kontakte zu städtischen Stellen.
Islamforen gibt es mittlerweile in mehreren deutschen Städten. Initiiert wurden sie vom Interkulturellen Rat, der darin das Anliegen verfolgt, Muslime mit lokalen Akteuren in der Politik, Sozialarbeit und Verwaltung in Kontakt zu bringen und dadurch das lokale Engagement von und für Muslime zu fördern. Dies ist insofern wichtig, als dass dieses wichtige Standbein des Zusammenlebens oft übersehen wird, bei der bereits vorhandenen Arbeit mit muslimischen Verbänden auf politischer Ebene.
Oft und logischerweise sind Vorstände von Moscheeverbänden und -vereinen die ersten Ansprechpartner nicht nur für die Bundes- und Landespolitik, sondern auch auf kommunaler Ebene. Man geht richtigerweise davon aus, dass so auch die Muslime vor Ort im Dialog vertreten und gleichzeitig auch angesprochen sind. Diese Herangehensweise übersieht oft aber folgende zwei Punkte:
- Moscheevorstände sind oft gar nicht in der Lage eine Mittlerposition vollständig auszuführen. Dies liegt zum einen an der ehrenamtlichen Natur der Arbeit aber auch an der Intensität, die ein solches Unterfangen verlangt.
- Mittlerweile hat sich ein breites Feld des Engagements von Muslimen in vielen gesellschaftlichen Bereichen herausgebildet, dass sich vor allen Dingen außerhalb und unabhängig von Moscheen und Verbandsstrukturen abspielt. Hannover ist hier keine Ausnahme – zu nennen wären Fraueninititativen, Kindergartenprojekte, Studentenvereinigung, Initiativen im Bereich Jugendarbeit, Freizeitangebote und Sport, innovative Dialogarbeit (Offene Moscheen) usw.
Vorbildliche Integrationspolitik
Hannover ist im Bereich der Integrationspolitik im Allgemeinen und der Integration von Muslimen im Speziellen durchaus vorbildlich. Lobenswert sind vor allem die Bemühungen des Oberbürgermeisters Weil in Kontakt mit Muslimen Hannovers zu treten. Die im April begonnene “Moscheetour” belegt dies. Die bis dato durchweg gute Aufnahme und rege Diskussionsatmosphäre auf eben diesen Moscheebesuchen offenbart jedoch eines: die muslimische Basis sucht Orte der Artikulation und ist sich gleichzeitig nicht bewusst, welche Möglichkeiten der Partizipation und Zusammenarbeit sie hat.
Die durchaus vorhandenen Foren des Dialogs mit Muslimen in Hannover laufen Gefahr am Ort des Geschehens – dem konkreten Handeln vor Ort, in der Nachbarschaft, im der Schule, im Kindergarten, der Universität, der Moschee – vorbei zu gehen. Dies einerseits weil auf der Personalebene immer dieselben Individuen vertreten sind, die zwar gute Arbeit auf politischer Ebene leisten aber eben gleichzeitig nicht vor Ort wirksam sind und sein können. Die Fragen, die sich ganz konkret stellen sind aber doch: wo kann ich als Lehrer fachmännische Vermittler suchen, wenn es Probleme mit muslimischen Eltern gibt? Wie gehe ich als Moscheegemeinde mit den Bedürfnissen und Anliegen meiner Nachbarn um? Wie übernehme ich als Muslim Verantwortung in dieser Gesellschaft für Probleme dieser Gesellschaft wie Armut, Bildungsmisere etc.? Welche Zusammenarbeitsmöglichkeiten mit Muslimen hat eine Polizeistelle im Stadtteil? Welche Möglichkeiten und professionelle Ansprechpartner hat eine muslimische Gemeinde etwa in der Sucht- und Drogenprävention?
All diesem kann durch ein lokales Hannoveraner Islamforum ein Raum gegeben werden. Hier könnten lokale Akteure von allen Seiten der Politik, Verwaltung und muslimischer Seite gemeinsam an Lösungen und Handlungsstrategien arbeiten.
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