Offener Brief der Schura Niedersachsen an Uwe Schünemann
28. Mai 2008 | Von admin | Kategorien: Frontseite, Nachrichten, fcsDie im Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V. (Schura Niedersachsen) vertretenen muslimischen Vereine drücken in einem offenen Brief an den niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann ihr Befremden über dessen Vorgehensweise bei der Ernennung eines Beratergremiums.
Darin hatte der Innenminister vor allem “Islamkritiker”, aber vor allem keine Vertreter muslimischer Organisationen geladen. Der Minister betonte, dass es eine “innen- und integrationspolitische Notwendigkeit ist, mit jenen Kräften des Islams zu sprechen, die bewusst den säkularen Staat respektieren und für diesen eintreten.”
Im Brief hieß es dazu:
Als überzeugte Demokraten haben wir selbstverständlich nichts dagegen, wenn sich ein Minister Informationen über den Islam von sogenannten „Islamkritikern“ einholt. Einen solchen „Expertenrat“ als Repräsentanz von Muslimen zu bezeichnen, wäre allerdings ein „Ettikettenschwindel“.
und
Es ist in demokratischen Gesellschaften unüblich großen gesellschaftlichen Gruppen ohne sachlichen Grund zu unterstellen, sie würden den Staat nicht respektieren und sie mit dieser Begründung vom gesellschaftlichen Diskurs auszuschließen.
Wir betonen, dass sämtliche in der Schura Niedersachsen vertretenen Vereine (wie in § 2 und §4 der Satzung verankert) bewusst den säkularen Staat respektieren und für diesen eintreten. Wir sind aber entsetzt, dass ein Minister, der die Aufgabe haben sollte auf die Integration aller Bürger Niedersachsens hinzuwirken, gläubige Muslime durch Unterstellungen diskreditiert und ausgrenzt.
Die Schura Niedersachsen lobt die Initiative der Bundesregierung, eine Islamkonferenz einzuberufen und den Vorstoß des Landes Niedersachsen in Fragen des Religionsunterricht. Zugleich weist sie darauf hin, dass es sich für einen “staatlich gelenkten ‘Expertenkreis’” aufgrund der Neutralitätspflicht des Staates verbiete, “Beschlüsse über Themen, wie die Aus- und Weiterbildung von Geistlichen, zu fällen, die in jeder religiösen Gemeinschaft eine Angelegenheit der Gemeinschaft selbst sein muss”.
Vollständiger Text des offenen Briefs der Schura Niedersachsen an Herrn Uwe Schünemann
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