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Käßmann: Das hohe Gut der Freiheit schätzen

23. Februar 2008 | Von admin | Kategorien: Frontseite, Nachrichten

Die Hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann äußerte sich auf der konstituierenden Tagung der neugewählten hannoverschen Landessynode zur Idee des britischen Erzbischofs Rowan Williams, Teile der “Scharia” in das englische Recht einzuarbeiten.

Gerade im Familienrecht, an das das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England denke, habe das fatale Folgen für die Unversehrtheit der Freiheit von Frauen, die in westlichen Demokratien bitter erkämpft worden sei. Leider gebe es auch in Deutschland solche Ideen, sagte die Bischöfin in ihrem Bericht auf der konstituierenden Tagung der neugewählten hannoverschen Landessynode am 22. Februar in Hannover. Sie erinnerte daran, dass eine Amtsrichterin in Frankfurt am Main im vergangenen Jahr das vorzeitige Scheidungsgesuch einer Frau aus Marokko mit Hinweis auf den Koran abgelehnt habe. Die Frau war von ihrem Ehemann brutal geschlagen worden. „Die Ausübung des Züchtigungsrechts begründet keine unzumutbare Härte“, so die Richterin mit Hinweis auf den marokkanischen Kulturkreis der Ehepartner.

Erzbischof Rowan Williams hatte anfang Februar in einem Vortrag die Möglichkeit angesprochen, Muslimen in speziellen Fällen eigenes Recht zuzugestehen.Dazu zählte er ganz ausdrücklich nicht das Strafrecht und hat in späteren Interviews die Einbeziehung von familienrechtlichen Rechten vorgeschlagen. Seit seinem Vorschlag steht Rowan Williams in der Kritik bis hin zu Tätlichkeiten und Aufforderungen zum Rücktritt aus seinem Amt.

Der von der Landesbischöfin zitierte Fall hatte anfang letzten Jahres auch bei Muslimen Verwunderung ausgelöst. Die Richterin hatte keine muslimischen Gelehrten gefragt. Die Schlußfolgerung, dass die Züchtigung innerhalb der muslimischen Familie zur Normalität oder gar islamisch legitimiert wäre, hat die Richterin aus eigenem Antrieb gezogen.

Rowan Williams hatte in einem Radiointerview am 7. Februar darauf aufmerksam gemacht, dass das Wort Scharia zwar im Allgemeinen mit Körperstrafen assoziert werde, dies aber den Inhalt des Wortes und des Konzeptes nicht korrekt wiedergäbe. Er rief zu mehr Besonnenheit bei der Diskussion auf.

What a lot of Muslim scholars would say, I think, and I’m no expert on this, is that Sharia is a method rather than a code of law and that where it’s codified in some of the ways that you’ve mentioned in very brutal and inhuman and unjust ways, that’s one particular expression of it which is historically conditioned, not at all what people would want to see as part of the method of trying to make actual the will of God in certain circumstances. So there’s a lot of internal debate within the Islamic community generally about the nature of Sharia and its extent; nobody in their right mind I think would want to see in this country a kind of inhumanity that sometimes appears to be associated with the practice of the law in some Islamic states the extreme punishments, the attitudes to women as well.

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